TIMELAPSE-AUFNAHMEN: WENN DIE ZEIT WIE IM FLUG VERGEHT

Montag, 26. September 2022

Habt ihr die schöne Abendsonne in einem Video schon mal in nur wenigen Sekunden untergehen sehen? Solch faszinierende Aufnahmen nennen sich Zeitraffer oder Timelapse, wie es im Englischen heißt. Zeitraffer-Aufnahmen geben uns die Möglichkeit, Ereignisse, die normalerweise viele Minuten oder sogar Stunden dauern, auf nur wenige Sekunden zu komprimieren. Dabei werden einzelne Bilder, die in vorher festgelegten Zeitabständen in einer Serie aufgenommen wurden, hintereinander als Video abgespielt. Neben den beliebten Sonnenauf- und -untergängen eignen sich zum Beispiel auch eine Menschenmenge auf einem belebten Platz, eine viel befahrene Straßenkreuzung oder die Baufortschritte eines Gebäudes als Motive für spannende Bewegungsstudien. Doch um einen ästhetischen Zeitraffer zusammenzustellen, müssen die einzelnen Fotos gut geplant und die passende Ausrüstung eingesetzt werden.

Ausreichend Zeit am Aufnahmeort einplanen

Das Funktionsprinzip eines Zeitraffers ist einfach: Die Kamera wird auf ein Stativ oder einen anderen festen Untergrund gestellt und auf das gewünschte Motiv ausgerichtet. Da Zeitraffer einen Ablauf darstellen, der sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, wird die Szene in einer Serie aus Einzelbildern aufgenommen. Die Kamera löst dabei in einem vorher festgelegten Intervall aus. Das können wenige Sekunden oder auch Minuten sein, die zwischen den Aufnahmen vergehen. Dabei hängt das gewählte Intervall vom Motiv ab. Dazu gleich mehr. Anschließend werden die einzelnen Bilder digital aneinandergereiht und als Bewegtbild abgespielt.

Wenn ihr euch gerne selbst an solchen Zeitraffern versuchen möchtet, solltet ihr euch vorher ein paar Gedanken dazu machen und eine kleine Berechnung vorausstellen. Wie jedes Videos besteht auch ein Zeitraffer aus 24, 25 oder manchmal auch mehr Einzelbildern pro Sekunde. Wenn euer Video 30 Sekunden dauern soll und ihr mit einer Frequenz von 25 Bildern in der Sekunde plant, benötigt ihr insgesamt 750 Einzelbilder. Im nächsten Schritt fließt die Dauer des Intervalls in Berechnung mit ein. Soll die Kamera zum Beispiel nur alle fünf Sekunden auslösen, solltet ihr also mindestens 3.750 Sekunden einplanen. Das entspricht umgerechnet 62,5 Minuten, also einer knappen Stunde.

Wie zuvor schon angesprochen, hängt die Aufnahmezeit der Bilderserie zum großen Teil von dem Ereignis ab, das ihr dokumentieren möchtet. Während euch zum Beispiel der Bau eines Gebäudes jede Menge Zeit einräumt und dadurch vielleicht ein bis zwei Bilder pro Tag ausreichen, vergehen bei einem Sonnenuntergang ab dem Zeitpunkt, an dem die Sonne noch knapp über dem Horizont steht, bis zu dem Moment, in dem sie ganz untergegangen ist, nur rund 15 Minuten. In dem Fall benötigt ihr viele Bilder mit kurzen Intervallen. Entscheidet ihr euch zum Beispiel für ein Intervall von fünf Sekunden zwischen jedem Bild, nehmt ihr in den 15 Minuten insgesamt 180 Bilder auf. Wenn wir hier für das Video wieder mit 25 Bildern pro Sekunde rechnen, kommt ihr damit auf eine Clip-Länge von sieben Sekunden. Soll das Video länger dauern, könnt ihr das Intervall verkürzen, um innerhalb der 15 Minuten mehr Einzelbilder zu schießen.

Das Equipment für spannende Zeitraffer

Die gute Nachricht: Bei unseren Nikon-Kameras benötigt ihr selten einen optionalen Fernauslöser, da wir die „Interfallaufnahme“ direkt im Menü integrieren. So könnt ihr die Startzeit und sogar den Starttag für eure Bilderserie direkt in der Kamera festlegen, das gewünschte Intervall einstellen und sogar entscheiden, ob vor jeder Aufnahme neu scharfgestellt werden soll.

Noch komfortabler wird es mit Kameras, wie der Nikon Z 6II, die euch zusätzlich sogar eine extra Zeitrafferfilm-Funktion zur Verfügung stellt. In dem Fall werden die Einzelbilder direkt in der Kamera zu einem Filmclip zusammengefügt. Dabei könnt ihr vor der Aufnahme festlegen, ob das Video in Full HD oder in 4K/UHD mit 24, 25, 30, 50 oder 60 Bildern pro Sekunde erstellt werden soll. Bei Kameras ohne diese Funktionen lässt sich das Intervall über einen programmierbaren Fernauslöser einstellen. In unserem Handbuch kannst du hier genau nachlesen, welche Einstellungen zu machen sind. 

Darüber hinaus empfehlen wir euch den Einsatz eines Stativs, damit die Kamera über den gesamten Aufnahmezeitraum ruhig steht und bei eventuell längeren Belichtungszeiten nicht verwackelt. Außerdem sorgt das Stativ dafür, dass der gewählte Bildausschnitt unverändert bleibt. Für eine möglichst hohe Schärfe solltet ihr bei Aufnahmen vom Stativ die Bildstabilisierung eurer Kamera und eures Objektivs auszuschalten.

Software für eure Zeitraffer-Videos

Die Nikon Z 6II bietet im Fotoaufnahmemenü die Option "Zeitrafferfilm" und kann so in ausgewählten Intervallen automatisch Fotos aufnehmen, um einen Zeitrafferfilm zu erstellen.

Sind die Einzelbilder eurer Zeitraffer-Serie fertig aufgenommen, benötigt ihr eine Software, um daraus einen kurzen Film-Clip zu erstellen. Aber keine Sorge, der Aufwand ist dank spezieller Software recht gering. Kostenlose Schnittprogramme wie „DaVinci Resolve“ und „Lightworks“, spezielle Software wie das „Time-Lapse Tool“ oder „Panolapse“ sowie Profi-Software wie Adobe Photoshop und Adobe Premiere bieten auch die Möglichkeit, die Einzelbilder automatisch aneinanderzureihen und als Video-Clip auszugeben.

Die Firma Avisec setzt für Zeitraffer auf Nikon-Kameras

Das Schweizer Unternehmen Avisec bietet neben speziellen yellow-Webcams mit bereits integrierten Kameras für professionelle Zeitraffer-Aufnahmen von zum Beispiel Baustellen auch spezielle yellow-Webcam-Gehäuse für den Einsatz von Systemkameras an. Dabei empfiehlt Avisec vor allem unsere Nikon-Kameras, da sie sich über den im Gehäuse eingebauten Kontroller sehr gut fernsteuern lassen.

Die eigens für das System entwickelte Yello-Cloud ist darauf ausgerichtet, Aufnahmen von Profi-Fotografen zu verwalten und zu bearbeiten. Darüber hinaus können über einen komplexen Algorithmus sogar Personen im Bild automatisch aus den Zeitraffer-Serien entfernt werden. Dabei wird neben dem Originalbild mit Person auch eine Kopie ohne Person abgespeichert. Das Kameragehäuse kann für Zeitraffer-Aufnahmen im Winter mit einer optionalen Defroster-Heizung aufgerüstet werden.

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