Objektive werden, je nach Brennweite, in unterschiedliche Klassen unterteilt. Da gibt es zum Beispiel Weitwinkel, Standardzooms, Tele-Objektive und Makro-Festbrennweiten. Diese Klassifizierung sagt jedoch wenig darüber aus, für welche Aufnahmegebiete ein Objektiv geeignet ist. Wer zum Beispiel davon ausgeht, dass ein Telezoom nur die Aufgabe hat, ein weit entferntes Motiv heranzuholen, der täuscht sich. Tatsächlich eignen sich Telezooms auch ideal für Porträt-Aufnahmen und zum Verdichten großer Distanzen. Vor allem Letzteres bringt einen spannenden kreativen Aspekt mit sich, der in dieser Form mit keiner anderen Objektiv-Gattung möglich ist. Vor dem Kauf eines neuen Objektivs solltet ihr euch deshalb immer Gedanken darüber machen, welche Aufnahmebereiche in erster Linie fotografiert werden. Wir erklären euch die verschiedenen Objektiv-Klassen und geben Tipps, für welche Einsatzbereiche sie jeweils geeignet sind.

Weitwinkel für Landschaften und Architektur

Ein klassisches Weitwinkel entspricht einer Brennweite von etwa 24 mm im Kleinbildformat. Darüber hinaus gibt es sogenannte „Ultra-Weitwinkel“, die noch kleinere Brennweiten und damit größere Bildwinkel ermöglichen. So beginnen das NIKKOR Z 14-30 mm 1:4 S und das NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S zum Beispiel schon bei 14 Millimetern und decken damit einen Bildwinkel von bis zu 114 Grad an unseren Vollformat-Z-Modellen ab. Da Weitwinkel-Objektive einen möglichst großen Bereich abdecken, eignen sie sich ideal für Landschafts- und Architektur-Aufnahmen. Weitwinkel-Objektive werden sowohl als Zoom als auch als Festbrennweite angeboten. Während Weitwinkelzooms wie das genannte NIKKOR Z 14-30 mm 1:4 S eine sehr flexible Zoomspanne bis zur Normalbrennweite um die 30-35 mm anbieten, haben Festbrennweiten den Vorteil, dass sie deutlich lichtstärker sind. Beim NIKKOR Z 20 mm 1:1,8 S könnt ihr die Blende zum Beispiel bis auf f/1,8 und beim AF-S NIKKOR 24 mm 1:1,4G ED bis auf f/1,4 öffnen. Das sehr lichtstarke NIKKOR Z 50 mm 1:1,2 S geht sogar noch einen Schritt weiter und ermöglicht euch eine sehr weite Blendenöffnung f/1,2. Das hat den Vorteil, dass ihr mit der Festbrennweite bei abnehmendem Licht, wie zum Beispiel bei einem Sonnenuntergang oder bei Innenarchitektur-Aufnahmen, etwas länger aus der Hand arbeiten könnt als mit dem Weitwinkelzoom. Wer mag, kann mit dem Weitwinkel sogar Porträts aufnehmen. Hier gibt es nur zu bedenken, dass Weitwinkel-Objektive konstruktionsbedingt an den Rändern stärker verzeichnen und eine Person damit deutlich verzerren können. Aus diesem Grund solltet ihr die Person bei einem Weitwinkel stets in der Bildmitte platzieren und möglichst eine Position auf Augenhöhe wählen. Mit einem 24 mm klappt das noch sehr gut. Kürzere Brennweiten sind für Porträts hingegen weniger geeignet.

NIKKOR Z 14-24mm f/2.8 S

NIKKOR Z 35 mm 1:1,8 S

Standard-Brennweite für Reisen, für Events und für die Lifestyle- und Streetfotografie

Der Standard-Brennweitenbereich beginnt dort, wo das Weitwinkel endet. So fallen zum Beispiel das NIKKOR Z 24–70 mm 1:4 S für unsere Z-Modelle und das AF-S NIKKOR 24-85 mm 1:3,5-4,5G ED VR für unsere Spiegelreflexkameras in die Klasse der Standardzooms. Mit dieser Brennweitenspanne lassen sich viele unterschiedliche Motive fotografieren, ohne dass ihr das Objektiv dafür wechseln müsst. Das können Gebäude, Menschen oder Landschaften sein. Aus diesem Grund sind Standardzooms vor allem für Reisen und Veranstaltungen wie Hochzeiten eine ideale Wahl. Auch in dieser Objektivklasse gibt es die Option zwischen Zoom-Objektiven und Festbrennweiten. Der große Vorteil liegt hier ebenfalls in der höheren Lichtstärke. So greifen Hochzeits- und Streetfotografen sehr gerne zu Festbrennweiten mit 35 und 50 mm. Mit dem NIKKOR Z 35 mm 1:1,8 S kann die Blende bis auf f/1,8 geöffnet werden. Damit ist es selbst abends auf der Hochzeitsparty noch möglich, aus der Hand zu fotografieren – ohne gleich den Blitz auspacken zu müssen.

Leichtes Tele für Porträts

Brennweiten zwischen 85 und 135 Millimetern werden häufig als ein „leichtes Tele“ bezeichnet. Dieser Bereich eignet sich bestens für klassische Porträts vom Kopf bis zur Schulter oder für sogenannte „Headshots“, also Aufnahmen, die sich nahezu ausschließlich auf den Kopf und das Gesicht des Porträtierten konzentrieren. Besonders spannend sind diese Brennweiten in Kombination mit einer hohen Lichtstärke. Je weiter die Blende geöffnet werden kann, desto leichter lässt sich die Person vor einem unscharfen Hintergrund abheben. Vor allem lichtstarke Festbrennweiten wie das NIKKOR Z 85 mm 1:1,8 S für unser Z-System und das AF-S NIKKOR 105 mm 1:1,4E ED für unsere F-Mount Spiegelreflex-Modelle begeistern hier mit einem sehr natürlichen Bokeh und schönen Unschärfekreisen. Davon abgesehen lässt sich der leichte Tele-Bereich auch über Zoom-Objektive abdecken. Mit Zoom-Objektiven seid ihr insgesamt flexibler, müsst euch aber mit einer etwas geringeren Lichtstärke arrangieren. Den besten Kompromiss aus Brennweitenspanne und Lichtstärke bieten Telezooms wie das NIKKOR Z 70–200 mm 1:2,8 VR S mit einer durchgängigen Blendenöffnung f/2,8. Aber auch mit einem für Einsteiger preiswerteren AF-S NIKKOR 24-120 mm 1:4G ED VR lassen sich schöne Porträts aufnehmen.

NIKKOR Z 85 mm 1:1,8 S

NIKKOR Z 70–200 mm 1:2,8 VR S

Tele- und Reisezooms für weit entfernte Motive, Verdichtungen und Porträts

Mit Tele-Objektiven seid ihr in der Lage, Motive in großer Entfernung aufzunehmen. Das kann zum Beispiel sehr hilfreich sein, wenn ihr Sportler in Aktion oder Tiere fotografieren möchtet, die womöglich davonlaufen, wenn ihr ihnen zu nahe kommt. Manchmal gibt es auch räumliche Hindernisse, die sich nicht überwinden lassen. Für solche Einsatzbereiche findet ihr bei Nikon verschiedene Möglichkeiten. Um möglichst flexibel zu bleiben, empfehlen wir euch ein Telezoom. Zu den Klassikern gehören hier Objektive mit einer Brennweitenspanne von 70-200 mm, da dieser Zoombereich auch mit einer durchgängigen Blendenöffnung f/2,8 erhältlich ist. Ein Beispiel ist das zuvor genannte NIKKOR Z 70–200 mm 1:2,8 VR S. Wenn es euch eher um die Länge der Brennweite und weniger um die Lichtstärke geht, dann könnt ihr im DSLR-Lineup auch zu einem AF-S NIKKOR 80-400 mm 1:4,5-5,6G ED VR für Vollformatkameras oder zu einem AF-P DX NIKKOR 70-300 mm 1:4,5-6,3 G ED VR für unsere DSLR-Modelle mit APS-C-Sensor greifen. Für Hobbyfotografen bieten wir außerdem sogenannte Reisezoom-Objektive an. Das AF-S DX NIKKOR 18-300 mm 1:3,5-6,3G ED VR deckt zum Beispiel sowohl den Telebereich als auch weitwinklige Motive ab, ohne dass ihr dafür das Objektiv wechseln müsst. Der Bildwinkel ist bei Letzterem mit dem eines 27-450 mm Vollformat-Objektivs vergleichbar.

Sollen sowohl eine lange Brennweite als auch eine hohe Lichtstärke kombiniert werden, dann gibt es zusätzlich die Möglichkeit einer Festbrennweite. Das AF-S NIKKOR 400 mm 1:2,8E FL ED VR fällt als Beispiel aber, konstruktionsbedingt, deutlich schwerer aus, weshalb es eher für professionelle Tier- und Sportfotografen in Frage kommt. Wie eingangs erwähnt, eignen sich Telezooms aber nicht nur zum Heranholen entfernter Motive. Es ergibt sich darüber hinaus die Möglichkeit des „Verdichtens“. Dabei wirken Objekte, die sich in der Realität weit voneinander entfernt befinden, als stünden sie nur wenige Meter davor oder dahinter.

Makro-Objektive für Details

Wenn ihr kleine Details fotografieren möchtet, dann empfehlen wir euch ein spezielles Makro-Objektiv. Der große Unterschied zu allen oben genannten Objektivklassen liegt in der Naheinstellgrenze und dem möglichen Abbildungsmaßstab. Mit einem Makro-Objektiv wie etwa dem AF-S VR Micro-NIKKOR 105 mm 1:2,8G IF-ED könnt ihr trotz der in dem Fall langen Brennweite sehr nah an euer Motiv herangehen und dabei weiterhin scharfstellen. Auf diese Weise ist es euch möglich, kleine Objekte wie einen Marienkäfer oder Trauringe im Originalmaßstab 1:1 abzubilden. Geht das nicht auch mit einem Telezoom? Mit einem Tele-Objektiv könnt ihr Motive zwar nah heranzoomen, der Mindestaufnahme-Abstand ist aber deutlich länger. Deshalb ist es mit dem Telezoom nicht möglich, einen Maßstab 1:1 umzusetzen. Aus diesem Grund ist es für Nahaufnahmen stets sinnvoll, zu einem eigens dafür vorgesehenen Makro-Objektiv zu greifen.

AF-S VR Micro-Nikkor 105 mm 1:2,8G IF-ED

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